Delas Kolumne – Das Essverhalten der Deutschen

veröffentlicht am 11.06.2017

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Dela ist TSC-Tutorin und verbringt zur Zeit drei Monate in Frankreich. Die fremden Eindrücke animieren sie dazu, darüber nachzudenken, was zu Hause in Deutschland typisch ist.

Ich erinnere mich an meinen Deutschlehrer Herrn Hasse, der gern Witze machte: „Warum sollte man in Frankreich nie die Mitte eines Baguettes essen? – Weil Franzosen das Baguette unterm Arm tragen.“

Nun weiß ich: Es ist kein Klischee. Ständig sehe ich Franzosen auf der Straße mit einem Baguette in der Hand. Oder unter dem Arm.
In Deutschland isst man stattdessen Brötchen oder Brot. Brötchen zum Frühstück mit Marmelade oder Nutella. Abendbrot mit Käse oder Wurst. Selbst unterwegs oder auf der Arbeit essen wir häufig ein belegtes Brot. Dieses „Butterbrot“, auch „Stulle“ genannt, ist ebenfalls kein Klischee, sondern ein deutscher Klassiker.

Sauerkraut, Gewürzgurken, Eintopf, Spätzle, Brezeln, Schweinshaxe: Auch das ist typisch deutsch. Traditionell deutsch ernähren sich allerdings eher ältere Menschen. Gefrühstückt wird morgens mit Kaffee oder Tee und Brot oder Brötchen. Zum Mittagessen gibt es Fleisch, Kartoffeln und Gemüse. Nachmittags gibt es traditionell Kaffee und Kuchen und das Abendbrot wird in vielen Haushalten relativ früh zwischen 18 und 19 Uhr gegessen.

Aber mittlerweile vermischen sich die Esskulturen der Welt. In Deutschland wird viel Gewicht auf ein gutes und gesundes Frühstück gelegt, um einen guten Start in einen leistungsfähigen Tag zu gewährleisten. Es ist außerdem in Mode, sich mit Freunden zum Frühstück in einem Café zu treffen. Die Auswahl der Nahrungsmittel zum Frühstück beschränken sich längst nicht nur auf die leckeren deutschen Brötchen oder die vielen hundert Brotsorten, sondern sie werden durch Schweizer Müsli, amerikanische Ceralien, englisches Rührei, norwegischen Lachs, südamerikanische Früchte etc. ergänzt. Auch das ist mittlerweile typisch deutsch!

Durch den langen Arbeitstag wird die warme Hauptmahlzeit mittlerweile in vielen Familien abends eingenommen. Weil das Essen in der Regel schnell gehen soll, greifen viele (vor allen Dingen junge) Deutsche mehrmals in der Woche zu Fertigprodukten oder kaufen unterwegs beim Schnellimbiss. Essen wird mehr und mehr zur Nebensache. Nicht selten läuft nebenbei der Fernseher, der Laptop oder das Smartphone.

Allerdings verbreitet sich gerade der neue Trend „Slow Food“ besonders bei jüngeren Erwachsenen: Als Gegenbewegung zu dem schnellen Döner oder der Tiefkühlpizza wird jetzt gern gemeinsam mit dem Partner oder Freunden mit viel Ruhe und gesunden Bio-Produkten gekocht. Und dabei darf das gute deutsche Bier auf gar keinen Fall fehlen!

Doch egal, ob die schnelle Stulle auf der Hand oder der aufwändig gekochte Eintopf: Wir lieben unsere Klassiker. Gegen ein gutes Baguette vom Franzosen gibt es allerdings auch nichts einzuwenden.