Delas Kolumne – Das deutsche Wetter

veröffentlicht am 12.07.2017

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Dela ist TSC-Tutorin und verbringt zur Zeit drei Monate in Frankreich. Die fremden Eindrücke animieren sie dazu, darüber nachzudenken, was zu Hause in Deutschland typisch ist.

In den letzten Wochen herrschten in Frankreich nicht selten 30 – 37°C. Auch aus Deutschland höre ich solche Wettermeldungen. Ich stelle mir vor, wie allerorts in Deutschland über die heißen Temperaturen gestöhnt wird.

Es scheint als wäre es des Deutschen größte Leidenschaft: sich über das Wetter beschweren. Das Wetter wird gern genutzt, um Small Talk zu halten, wenn einem sonst nichts einfällt. Bei 30°C ist es zu heiß, bei 15°C zu kalt. Im Winter wiederum sind 15°C zu warm. Die Deutschen ärgern sich, wenn kein Schnee fällt. Schneit es, meckert man über glatte Straßen. Und zu jeder Jahreszeit regnet es zu viel.

Dabei ist das deutsche Wetter im weltweiten Vergleich eher angenehm. Wir haben keine 40°C im Schatten wie die Südspanier und keine -30°C wie in Sibirien. Es gibt keine tropischen Regenstürme wie in Kenia und keine Hurrikans wie in den USA.

In Deutschland herrscht gemäßigtes Klima. Das heißt, es befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima und dem kontinentalen Klima. Im Nordwesten überwiegt das maritime Klima mit verhältnismäßig geringen Temperaturunterschieden sowohl zwischen Tag und Nacht als auch zwischen Sommer und Winter. Wer im Sommer in der Nord- oder Ostsee schwimmen gehen möchte, darf kühles Wasser und mäßig warme Temperaturen erwarten. Im Südosten dominiert hingegen das kontinentale Klima mit stärkeren Unterschieden zwischen den Jahreszeiten oder: mit wärmeren Sommern und kälteren Wintern. Wer im Winter Schnee sehen möchte, hat dort also bessere Chancen.

Die wärmsten Monate in Deutschland sind der Juli und der August mit mittleren Temperaturmaxima von fast 22°C. Der Sommer hat zwar weniger Regentage als der Winter, dafür höhere Niederschlagsmengen. In den vergangenen Jahrzehnten sind insbesondere der Frühling und der Sommer wärmer geworden.

Die Winter werden mit den Jahren feuchter und milder. Obwohl die Schneetage besonders im Westen Deutschlands rar werden, gehören mehrtägige Episoden mit Schneefall vor allem im Osten und Süden trotz des Erwärmungstrends noch zu fast jedem Winter.

Extreme Wetterverhältnisse wie lang anhaltende Dürren, starke Frost- oder Hitzeperioden sind in Deutschland relativ selten. In den Herbst- oder Wintermonaten gibt es allerdings vermehrt Stürme und Orkane, im Sommer Hochwasser und Gewitter sowie Hagel.

Diese Hitze in letzter Zeit war auch extrem. Doch anstatt mich darüber aufzuregen, besinne ich mich lieber auf die Vorteile: Die heißen Tage kann man nämlich prima am See verbringen.

In Schottland sagen die Menschen über das Wetter: „wenn es dir nicht passt, dann warte einfach eine viertel Stunde!“ So extrem wechselhaft ist das Wetter bei uns zwar nicht, jedoch könnten die Deutschen etwas von dieser Lockerheit im Umgang mit dem Wetter vertragen!