Hellau und Alaaf

veröffentlicht am 10.02.2020

Seit dem 11.11. steigt bereits die Vorfreude bei den Karnevalfans unter uns. Seither werden einige schon fleißig an ihren Kostümen gebastelt haben und es dürfte auch schon die gesamte Planung der Karnevalswoche stehen.
Es ist also höchste Zeit einen Überblick zu geben, was eigentlich genau passiert, welche Termine du dir in jedem Fall im Kalender rot markieren solltest, welche Orte als place to be gelten und welche Faux pas du besser vermeiden solltest.

Zeitlicher Ablauf

Im Februar eines jeden Jahres beginnt mit der Karnevalszeit ein Zeitabschnitt, der für viele Menschen die sogenannte fünfte Jahreszeit darstellt. Die Karnevalszeit ist prinzipiell die Zeitperiode, die unmittelbar vor dem Beginn der sechswöchigen Fastenzeit liegt, die im Christentum zur Vorbereitung auf das Osterfest dient. Da diese Fastenzeit am sogenannten Aschermittwoch beginnt, endet an diesem Tag die Karnevalszeit. Die Bezeichnungen für den Karneval unterscheiden sich regional. So spricht man beispielsweise in Sachsen, Bayern und in Norddeutschland vom Fasching. Ganz unabhängig wie wer diese Zeit nennt, ist Karneval für viele, vor allem in NRW, Anlass, um ausgiebig zu feiern. Damit du also eines der größten Volksfeste Deutschlands nichts verpasst, gibt es hier eine kurze Einführung und Übersicht über alle Termine:

Beginn

Auch wenn die Karnevalszeit ursprünglich erst am 6.01, also dem Dreikönigstag, begann, hat sich der 11.11. als Starttag der närrischen Zeit durchgesetzt. Wie du bereits in unserem Novemberpost lesen konntest, findet die offizielle Eröffnung der Karnevalssession am 11.11. um 11 Uhr 11 statt. Ab diesem Tag beginnen vor allem in den Karnevalshochburgen die Vorbereitungen für die Hauptkarnevalszeit. Es treten beispielsweise neue Karnevalsprinzen und -prinzessinnen ihr Amt an, Sitzungen und andere Events werden geplant und die Karnevalsumzüge werden vorbereitet.

Höhepunkt

Altweiber/Weiberfastnacht/schmotzigen Donnerstag/Fetter Donnerstag (20.02.2020):
An diesem Tag übernehmen die Frauen symbolisch die Herrschaft. Die Übernahme der Herrschaft durch die Frauen an Weiberfastnacht drückt sich besonders in dem Brauch aus, den Männern die Krawatten abzuschneiden. Daher verzichten viele Männer, vor allem im Rheinland, an diesem Tag auf eine Krawatte. In manchen Orten finden donnerstags Altweibersitzungen statt. Aber auch Altweiberbälle oder andere Maskenbälle werden veranstaltet.

Karnevalsfreitag (21.02.2020):
Am Freitag passiert relativ wenig. Nur vereinzelt finden Veranstaltungen statt. Der Grund dafür ist, dass der Freitag als Gedenktag an den Kreuzestod Christi gilt. Seit einigen Jahren lösen sich jedoch die Karnevalisten immer mehr von diesem Freitagstabu.

Nelkensamstag (22.02.2020) und Tulpensonntag (23.02.2020):
In vielen Städten und Gemeinden des Rheinlandes wird am Nelkensamstag das “Rathaus” gestürmt. Die Erstürmung der Stadt- und Gemeindeverwaltung symbolisiert die Übernahme der Regierungsgewalt durch die Karnevalisten für vier Tage im Jahr. Die Organisation und Durchführung übernimmt in der Regel der örtliche Karnevalsverein. Zu den Ritualen gehören unter anderem Drohreden, Verhaftung des Bürgermeisters, Schlüsselübergabe, Übergabe der Amtsgeschäfte, Hissen der Narrenfahne u. ä.
Zudem finden am Wochenende in den Karnevalshochburgen etliche Partys statt. Kneipen und Clubs sind voll von kostümierten Menschen. Es ist mit einer der einzigen Feste Deutschlands, an dem die Straßen der Städte überfüllt sind und die Leute in den Straßen feiern. Hierfür werden ganze Stadtteile gesperrt (vor allem in Köln und Düsseldorf), sodass Bühnen und Büdchen an fast jeder Ecke errichtet werden können.

Rosenmontag (24.02.2020):
Der Rosenmontagszug ist der Höhepunkt der Karnevalszeit und des Straßenkarnevals, ihn gibt es seit 1823. Heute werden in allen Gebieten, in denen der rheinische Karneval gefeiert wird, mehr oder weniger große Umzüge veranstaltet. Zu ihnen gehören reich geschmückte Motivwagen, die politische, sportliche, aber auch alltägliche Ereignisse thematisieren, Fußgruppen, die in bunten Kostümen meist Choreografien tanzen sowie Musikkapellen. Highlight vor allem für alle Kinder, ist dabei der Süßigkeitenregen. So werden von den Wagen aus Tonnen von Süßigkeiten, die sogenannte Kamelle, in das Publikum geschmissen. Auf den Rosenmontagszügen in Köln und Düsseldorf werden jedes Jahr bis zu 450 Tonnen Süßigkeiten, Popcorn und Chips geworfen. Dort, wo es auch ein Prinzenpaar gibt, bildet der Wagen mit Karnevalsprinz und Karnevalsprinzessin den Abschluss. Die größten Umzüge finden in den Karnevalshochburgen Köln, Mainz, Düsseldorf und Aachen statt.

Veilchendienstag/Fastnachtsdienstag (25.02.2020):
Am Dienstag wird noch einmal kräftig gefeiert. In manchen Orten findet erst an diesem Tag der Karnevalsumzug statt. Teilweise werden auch Karnevalsveranstaltungen der vorherigen Tage in abgewandelter Form wiederholt. Viele Narren genießen aber auch einfach noch einmal die Fastnachtsstimmung in einem Gasthaus oder Lokal.

Ende

Mit dem Aschermittwoch (26.02.2020) endet offiziell die Karnevalszeit und es beginnt gleichzeitig die Fastenzeit. Vielerorts, insbesondere in NRW, wird in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch symbolisch zum Ende der fünften Jahreszeit eine Strohpuppe, den so genannten Nubbel oder auch Hobbeditz, verbrannt. Dieser gilt als Verantwortlicher für alle Laster und Sünden, welche in den karnevalistischen Tagen begangen wurden.

Karnevalshochburgen bzw. wo die Jecken zu finden sind

Du merkst also in den kommenden Tagen ist überall in NRW eine Menge los Damit Du nicht den Überblick verlierst, findest Du hier eine Auswahl der rheinischen und westfälischen Höhepunkte.

Alaaf oder Helau – was steckt dahinter und warum man es nicht verwechseln sollte

Wer kein eingefleischter Karnevalist ist, kommt während der fünften Jahreszeit schon beim Vokabular leicht durcheinander.
Besonders wichtig ist der richtige Narrenruf. Je nach Stadt und Region haben die Narren unterschiedliche Schlachtrufe. „Alaaf“ oder auch „KölleAlaaf“ ist der kölsche Narrenruf, auf keinen Fall zu verwechseln mit „Helau“, dem Schlachtruf der Düsseldorfer. Diese beiden Rufe solltest du lieber nicht verwechseln, da die beiden Städte in einem ewigen Machtkampf, nicht nur wegen Karneval stehen, und du durchaus böse Blicke und Kommentare ernten könntest.
Es gibt aber auch noch zahlreiche andere Ausrufe: die Paderborner rufen „Hasipalau“ und in Tönisvorst heißt es „Klappertüt“.
Andere sonderbare Vokabeln und weitere Informationen rund um das Karneval 1mal1 findest du zudem hier.